Erziehungshilfen

Erziehungshilfen im Sinne der Beschreibungen in §§ 27ff SGB VIII umfassen eine Vielfalt an Angeboten zur Unterstützung von Familien in ihrem Zusammenleben und zur Bearbeitung sozialer Schwierigkeiten, die die Erziehungsaufgaben von Eltern/Erziehungsberechtigten und das Aufwachsen von Kindern berühren. Sie werden entlang der Gesetzeslogik nach ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten unterschieden, die dann greifen sollen, „wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist“ (§ 27 Abs. 1 SGB VIII). Sie richtet sich an Eltern und Kinder/Jugendliche gleichermaßen, dass jeweilige Erziehungshilfesetting kann aber die einzelnen Beteiligten unterschiedlich fokussieren, wie es z. B. an der sozialpädagogischen Familienhilfe gegenüber der in erster Linie an Kinder- und Jugendliche gerichteten Erziehungsbeistandschaft deutlich wird. In den vergangenen 25 Jahren seit Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes haben die Erziehungshilfen in ihrem Umfang und ihrer Ausdifferenzierung stark an Bedeutung gewonnen. Es zeigt sich, dass der Bedarf an Unterstützung im Erziehungsalltag und letztlich auch bei der Gewährleistung von sozialer Teilhabe wächst und entsprechend auch vielfältige Forschungsfragen aufwirft.

So befassen sich die Projekte in dem Forschungsnetzwerk Erziehungshilfen mit der Situation in unterschiedlichen Erziehungshilfesettings wie der Heimerziehung und der Vollzeitpflege, aber auch z. B. mit der Ausgestaltung der Hilfeplanung im Kontext gesetzlicher Vorschriften und der behördlichen Umsetzung. Fragen der Einbettung von Erziehungshilfen in die Infrastruktur sozialer Dienste und sozialer Sicherung insgesamt spielen dabei ebenso eine wichtige Rolle. Somit sind mit den Erziehungshilfen immer auch Aspekte von Übergängen in und aus Hilfen angesprochen. Da, insbesondere die stationären Hilfen, einen starken Einschnitt in der Lebenssituation von Familien bedeuten und die Unterbringung außerhalb des gewohnten Umfeldes die Schutzinteressen von Kindern und Jugendlichen stark berühren, bilden die individuellen Erfahrungen in stationären Erziehungshilfen sowie die Umsetzung von Schutzkonzepten für junge Menschen in Einrichtungen ein besonderes Forschungsinteresse innerhalb des Netzwerkes. Die Perspektive von Adressat_innen ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Erziehungshilfen. Diese Perspektive und die Einbeziehung der Betroffenen selbst in den Forschungsprozess ist uns ein wichtiges Anliegen in der Auseinandersetzung mit Themen der Erziehungshilfen. Dies schließt auch den fachlichen Diskurs zwischen Wissenschaft und Fachpraxis mit ein, den wir mit unseren Forschungsprojekten bemüht sind stets anzuregen und einzubeziehen.