Ethik-Dimensionen im Forschungsnetzwerk Erziehungshilfe

Die Forschungsarbeit in den Projekten innerhalb des Forschungsnetzwerks Erziehungshilfen richten sich nach der aktuellen Rechtslage, halten sich an die Gütekriterien der qualitativen und quantitativen Sozialforschung und berücksichtigen die Richtlinien der Fachgesellschaften (bspw. der DGfE).

 

  1. Gesetze zum Datenschutz
    Die Universität Hildesheim ist dem Bundesdatenschutzgesetz und dem Niedersächsischen Datenschutzgesetz verpflichtet. Dabei insbesondere folgenden Rechtsgrundlagen:

    • Bundesdatenschutzgesetz
      • 4a: Freiwillige Einwilligung in Datenerhebung nach Aufklärung über Nutzen und Verwendung. Satz 2 bezieht sich auf wissenschaftliche Forschungen (BDSG 4aEinwilligung)
      • 13 Datenerhebung für wissenschaftliche Zwecke auch nur unter Voraussetzung von §4a (BDSG §13 Datenerhebung)
      • BDSG §14 Datenspeicherung, -veränderung und -nutzung
      • BDSG § 20Berichtigung, Löschung und Sperrung von Daten; Widerspruchsrecht
    • Land Niedersachsen
      • 25 Niedersächsisches Datenschutzgesetz: Verarbeitung personenbezogener Daten für Forschungsvorhaben
    1. Gütekriterien und ethische PrinzipienDie Gütekriterien quantitativer Forschung sind Objektivität, Validität und Reliabilität (Steinke 2010: 319). Im Gegensatz dazu stehen die Gütekriterien qualitativer Forschung in Diskussion, ob Kriterien aus der quantitativen Forschung übertragen werden sollen oder neue und eigene einzuarbeiten sind. Dazu gibt es (in Anlehnung an Steinke 2010: 320ff.) verschiede Ansätze z. B. mit folgenden Gütekriterien:
      • Kommunikative Validierung
      • Triangulation und
      • Validierung der Interviewsituation (Arbeitsbündnis)
      • Authentizität

Es gibt auch eigens entwickelte Kriterien, die untersuchungsspezifisch angepasst werden müssen.

      • Intersubjektive Nachvollziehbarkeit des Forschungsprozesses (Steinke 2010: 324ff)
      • Indikation des Forschungsprozesses (Beurteilung der Angemessenheit) (Steinke 2010: 326ff)
      • Empirische Verankerung
      • Limitation der Ergebnisse
      • Kohärenz
      • Relevanz der erarbeiteten Theorie
      • Reflektierte Subjektivität

Ethische Prinzipien und Regeln werden für jedes Forschungsprojekt selbst aufgestellt und beinhalten Freiwilligkeit, Absicherung der Anonymisierung, die Vermeidung von Schädigungen, die Zulässigkeit verdeckter Beobachtungsformen und die Datenschutzgesetze des Bundes und der Länder (Wahrung der Persönlichkeitsrechte und informelles Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen) (Hopf 2010: 590f). Die enthaltenen zu verantwortenden Arbeitspakete in Forschungsprojekten der Uni Hildesheim werden bisher über die Ethik-Kommission des Fachbereichs genehmigt.

  1. Materialien und EthikstandardsDie Mitglieder des Forschungsnetzwerks Erziehungshilfen orientieren sich darüber hinaus an dem Ethikkodex der DGfE als einschlägige Fachgesellschaft. Darin werden auch ethische Richtlinien für Publikationen, Gutachten und Rezensionen, Umgang mit Partner_innen und Lehre gefasst. Die DGfE stellt einen eigenen Ethik-Rat auf, der bei Bedarf angerufen werden kann.

    Aus der Bonner Ethik-Erklärung (Empfehlungen für die Forschung zu sexueller Gewalt in pädagogischen Kontexten) kann ergänzt werden, dass Beratungsangebote sowohl für Probanden_innen als auch für Forschende bereitgestellt werden sollten, wenn mögliche Auswirkungen des Forschungsvorhabens zu erwarten sind (S. 3, 5).

    Daneben ist im Vorfeld zu klären, wie bei einer Offenbarung von sexualisierter Gewalt in Absprache mit den Probanden_innen vorgegangen werden kann. Dabei sind die Schritte des §4 KKG einzuhalten (S. 3, 5).

    „Es ist deshalb im Forschungsdesign zu beschreiben, wie in solchen Situationen die Dialektik der Wahrung des Datenschutzes und der Sicherstellung des Personenschutzes gewährleistet werden kann. In jedem Fall muss deutlich sein, dass die_der Untersuchende im Forschungskontext nicht therapeutisch tätig sein kann.“ (Erklärung S. 5)

Quellen:

Bonner Ethikerklärung https://www.bmbf.de/files/Ethikerklaerung%281%29.pdf (zuletzt abgerufen 22.1.2016)

Bundesdatenschutzgesetz: http://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_1990/index.html#BJNR029550990BJNE002702301 (zuletzt abgerufen 22.1.2016)

DGfE-Ethikkodex: http://www.dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakteure/Satzung_etc/Ethikkodex_2010.pdf (zuletzt abgerufen 22.1.2016)

Ethikkodex der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) und des Berufsverbandes Deutscher Soziologinnen und Soziologen (BDS): http://www.soziologie.de/index.php?id=19 (zuletzt abgerufen 22.1.2016)

Ethikkommission des Fachbereichs 1 Universität Hildesheim: http://www.uni-hildesheim.de/fb1/gremien/ethikkommission/ (zuletzt abgerufen 22.1.2016)

Hopf, Christel 2010: Forschungsethik und qualitative Forschung. In: Flick, Uwe/ Kardorff, Ernst von/Steinke, Ines (Hrsg.) Qualitative Forschung. Ein Handbuch: 589-600

Niedersächsisches Datenschutzgesetz: http://www.lfd.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=12943&article_id=56093&_psmand=48 (zuletzt abgerufen 22.1.2016)

Steinke, Ines 2010: Gütekriterien qualitativer Forschung. In: Flick, Uwe/ Kardorff, Ernst von/Steinke, Ines (Hrsg.) Qualitative Forschung. Ein Handbuch: 319-331