Dissertationen

Themenbereich Erziehungshilfe

 

Sophie Domann

Wie stellen sich Jugendliche in der Heimerziehung als Gruppe dar?

Die Jugendlichen, die in der Heimerziehung gemeinsam (vorübergehend) leben, bilden eine weitere Bezugsgruppe des Aufwachsens und werden in der Dissertation untersucht. Die Heimgruppe oder die peers als „Subkultur“ mit ihren eigenen Regeln und Strukturen, aber auch mit Freundschaftsbeziehungen und Unterstützungsleistungen untereinander werden anhand von Gruppendiskussionen sichtbar.
Wie leben sie also miteinander, welche Regeln und Strukturen geben sie sich selbst und wie sehen sie sich gemeinsam als „Heimgruppe“ – welche Praktiken zeigen das doing Heimgruppe?

Die befragten Jugendlichen sind zum Zeitpunkt der Befragung selbst noch Teil der Heimgruppe und des Hilfesystems und bilden eine anderen Ansatzpunkt der bisherigen Heimforschung, die sich bisher auf Einzelinterviews und retrospektive Einschätzungen fokussierte.

Die Ergebnisse können zu einem weiteren Verständnis für die Perspektiven der Jugendlichen beitragen, die in der Heimerziehung leben.

 

Carolin Ehlke

Care Leaver aus Pflegefamilien

Care Leaver, junge Menschen, die in stationären Erziehungshilfeeinrichtungen (§ 34 SGB VIII) und/oder Pflegefamilien (§ 33 SGB VIII) aufgewachsen sind, sind im Vergleich zu ihren Peers mit mehr Herausforderungen auf dem Weg ins Erwachsenenleben konfrontiert. Neben kritischen Bildungswegen, psychischen Erkrankungen, früherer Elternschaft, häufigerer Obdachlosigkeit sowie Drogen- und Alkoholabhängigkeit sehen sich Care Leaver vor allem strukturellen Hürden gegenüber. Obwohl es in Deutschland eine Rechtsgrundlage (§ 41 SGB VIII) gibt, die eine Verlängerung der Hilfen bis 21 Jahre und in Ausnahmefällen bis 27 Jahre gewährleistet, enden diese Hilfen häufig mit dem Erreichen der Volljährigkeit.

Im Vergleich zu internationalen Studien ist die deutsche Forschung zum Thema Care Leaver bzw. Leaving Care, insbesondere mit Blick auf Pflegefamilien, noch wenig fortgeschritten. Das Dissertationsprojekt „Care Leaver aus Pflegefamilien“ stellt diesen empirisch kaum bis gar nicht untersuchten Übergang von der Erziehungshilfe in ein eigenständiges Leben in den Mittelpunkt. Über problemzentrierte Interviews mit Care Leavern soll die Adressat_innenperspektive erfasst und damit die sozialen Unterstützungsstrukturen und –netzwerke während dieses Prozesses untersucht werden. Diesbezüglich ist das Konzept der „sozialen Unterstützung“ nach Nestmann (2010) zentral, der diese Form der Unterstützung als ein wichtiges Kriterium für die Bewältigung von kritischen Lebensereignissen und Übergängen beschreibt.

 

Anke Kuhls

Erstgespräche im Bewerbungsprozess zwischen Pflegepersonen und Fachkräften der Pflegekinderhilfe

Um als Pflegefamilie zu arbeiten und ein Pflegekind im eigenen Haushalt aufzunehmen, sind besondere Voraussetzungen notwendig und erforderlich. Die Feststellung dieser „Eignung“ ist gesetzlich vorgeschrieben und fällt in die Zuständigkeit des Jugendamtes. In Deutschland wird sie als hoheitliche Aufgabe wahrgenommen. D.h. Fachkraft und Pflegeelternberwerber_innen stehen sich in einem Über-, Unterordnungsverhältnis gegenüber. Werden diese Interessent_innen um ein Pflegekind in den Bewerber_innenpool aufgenommen, folgt meist eine jahrelange Zusammenarbeit. Die Art der Begegnung als Leistungsanbieter einerseits und andererseits Leistungserbringer, Erfüllungsgehilfe oder als kompetente Person in Erziehungsfragen bestimmt die Qualität dieser zukünftigen Zusammenarbeit und möglicherweise den Erfolg der Hilfeform. Das Erstgespräch in der Pflegeelternbewerbung initiiert dieses besondere Arbeitsbündnis. Das Forschungsinteresse liegt hier in der Untersuchung der Strukturen und der Abläufe von Erstgesprächen. Es erforscht mögliche Zusammenhänge und deren Entwicklungen. Dabei sollen Ressourcen herausgearbeitet und identifiziert werden, damit der kooperative Prozess zwischen den Beteiligten aufgezeigt und verbessert werden kann.

 

Benjamin Strahl

Heimerziehung und Schule

Junge Menschen aus stationären Erziehungshilfen sind besonders benachteiligt, was das erreichen schulischer Qualifikationen betrifft. Viele Gründe können hierzu ins Feld geführt werden (z.B. traumatische Erlebnisse und Erfahrungen, welche zur Unterbringung in Pflegefamilie oder Heim geführt haben; in den Hilfeverläufen begründete Risiken, wie häufige Schulwechsel etc.).

Einigen wenigen jungen Menschen, die in stationären Angeboten der Hilfen zur Erziehung betreut wurden, gelingt ein erfolgreicher Bildungsweg jedoch. Es stellt sich die Frage, was diese erfolgreichen Verläufe ausmacht.

Das Ziel der Dissertation ist es, mittels biographischer Interviews mit Care Leavern an Hochschulen herauszuarbeiten, wie schulischer Verlauf und biographische Herausforderungen zusammenhängen (können) und wie die schulischen und biografischen Anforderungen bewältigt werden.

Mittels einer internationalen Perspektive auf das Thema Fremdunterbringung und Schule wird zudem die nationale – in der Regel problemorientierte – Auseinandersetzung um schulische Bildung von jungen Menschen in stationären Hilfen zur Erziehung hinterfragt. Denn während in Deutschland Schule in der Regel ausschließlich als zusätzliche Belastung thematisiert wird, so wird im internationalen Diskurs Schule vielfach als Ressource und Resilienzfaktor gesetzt.

 

Britta Karner

Das große Bildungsversprechen und das Familiendilemma. Die politische Konstruktion von Kindertageseinrichtungen.

 

Anna Renker

 

Tanja Rusack

Orientierungen in Paarbeziehungen aus der Sicht weiblicher Jugendlicher