Inklusive kommunale Infrastruktur für junge Erwachsene

Das Projekt „Gut begleitet ins Erwachsenenleben“  

Übergangsmanagement in und nach stationären Hilfen. Entwicklung & Transfer

In diesem Projekt werden Handlungsansätze evaluiert und weiterentwickelt, die sich in der Praxis der Begleitung junger Menschen in stationären Erziehungshilfen im Übergang ins Erwachsenenleben (sog. Care Leaver) besonders bewährt haben. Das Projekt wird von der IGfH in Frankfurt und der Universität Hildesheim gemeinsam an den Modellstandorten Karlsruhe, Landkreis Harz und Dortmund durchgeführt. Es wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert (Laufzeit: September 2016 bis August 2019).

Ziel des Projektes ist, ausgehend von drei Modellen, die als Kernelemente eines inklusiven Übergangsmanagements der Kinder- und Jugendhilfe angesehen werden, schon vorhandene gute Praxis an den Modellstandorten weiterzuentwickeln und diese für einen Transfer aufzubereiten. Bei den Modellen handelt es sich um:

  • die Weiterentwicklung der Hilfeplanung für junge Menschen zu einer Übergangsplanung
  • eine vernetzte Infrastruktur für junge Menschen im Übergang bzw. nach dem Hilfeende und
  • die Stärkung der Partizipation und Selbstorganisationen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in stationären Erziehungshilfen

Das Projekt will die Herausforderungen hinsichtlich eines inklusiven Übergangsmanagements als Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe systematisch aufgreifen und die Begleitung von jungen Erwachsenen im Übergang in einem praxisbezogenen Prozess weiterentwickeln. Die Perspektive der Entwicklungs- und Teilhabeplanung, insbesondere mit Blick auf eine – noch zu verwirklichende – inklusive Lösung im SGB VIII, ist somit ein Hauptaspekt des Projektes. Dabei soll das Augenmerk auch durchgängig auf der Förderung der Selbstorganisation der Adressat_innen liegen. An jedem Standort kooperieren öffentliche und freie Träger in der Weiterentwicklung ihrer Praxis.

Expert_innengespräch Inklusion

Expert_innengespräch „Inklusive kommunale Infrastruktur für junge Erwachsene“

Die Diskussion um Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe konzentriert sich bisher vor allem auf  Verfahren und Zuständigkeiten im Kindes- und Jugendalter. Es wird bisher aber kaum systematisch betrachtet, wie Inklusion im jungen Erwachsenenalter für Care Leaver gelingen kann. Gerade im jungen Erwachsenalter entscheidet sich aber die gesellschaftliche Integration. Die schulische Laufbahn wird abgeschlossen und in die berufliche Qualifikation überführt. Die eigenständige Lebensführung der jungen Menschen muss existenziell gesichert und soziale Positionierungen sowie Zugehörigkeiten gefunden werden. Im jungen Erwachsenenalter entscheidet sich, ob die Inklusion gelingt.

Bei den Diskussionen um Inklusion in der sozialen Dienstleistungsinfrastruktur wird das junge Erwachsenenalter bisher aber weitgehend ausgespart. Die Debatten brechen mit dem Prozess des Care Leaving aus der Kinder- und Jugendhilfe ab. Wenn überhaupt, wird über die Übergänge zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und dem Bundes-Teilhabe-Gesetz sowie zum Job-Center diskutiert. Darüber hinaus ist kaum eine systematische Debatte zu erkennen, die eine nachhaltige soziale, berufliche und existenzielle Perspektive der jungen Menschen absichert.

Es zeigt sich aber im Alltag von Care Leavern, dass Übergänge zu biographischen Brüchen führen, existenzielle Versorgungslücken bestehen, gesundheitliche und persönliche Krisen im jungen Erwachsenenalter zu Ausbildungs- und Bildungsabbrüchen führen können sowie Formen inklusiver Beschäftigungsförderung nur wenig genutzt werden. Insgesamt fehlt eine inklusive kommunale Infrastruktur, durch die die soziale Teilhabe nachhaltig gesichert wird und die für Care Leaver – schließlich auch für andere junge Erwachsene mit besonderem Unterstützungsbedarf – transparent und verlässlich ist. Strukturell sind mit der Volljährigkeit die Voraussetzungen für inklusive Übergänge eher weiter erschwert, weil es zu diesem Zeitpunkt zu mehr und mehr Ausschlüssen aus Hilfsangeboten  für junge Menschen kommt (Kinder- und Jugendpsychiatrie, tendenziell auch die Hilfen zur Erziehung im SGB VIII).

Das Expert_innengespräch am 07. November 2018 im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin

Vor diesem Hintergrund soll in dem Expert_innengespräch gemeinsam erarbeitet werden, wie eine inklusive kommunale Infrastruktur für junge Erwachsene gestaltet werden kann. Entsprechende Bedarfe und Ansätze  aus den Modellkommunen des Projekts (Karlsruhe, Landkreis Harz, Dortmund) fließen in die Diskussion mit ein. Dabei geht es nicht nur um eine Übergangsplanung in unterschiedliche soziale Leistungssysteme – muss vielmehr gefragt werden, wie ein selbstbestimmtes Leben aller junger Menschen in den Kommunen ermöglicht werden kann. Der Fokus darf nicht allein auf der Verselbständigung aus der Kinder- und Jugendhilfe heraus oder lediglich der Verlängerung von Kinder- und Jugendhilfeleistungen liegen. Vielmehr benötigen wird ein explizites soziales Leistungsrecht Leaving Care benötigt, durch das eine selbstbestimmte soziale Teilhabe im jungen Erwachsenenalter ermöglicht wird.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Diskussion mit Ihnen – bei Fragen und Rückmeldungen wenden Sie sich bitte an die Projektmitarbeiterinnen:

Kontakt: Britta Sievers               (britta.sievers@igfh.de) Fon: 069633986-19

Severine Thomas        (severine.thomas@uni-hildesheim.de) Fon: 05121/883-11728

Carolin Ehlke                (ehlkeca@uni-hildesheim.de) Fon: 05121/883-11732